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Leseprobe der Tangodanza Ausgabe Nr. 86 - 2.2021

Danza
Dana Frígoli
– Eine Tänzerin auf der Suche nach ihren Träumen
von Andrés Casak

Vom Smog in Buenos Aires aufs Land nach Denver, Colorado. Von der Leitung einer der angesehensten Tangoschulen Argentiniens zu einem Kulturzentrum in den USA, wo sie Yoga, Meditation, ‚Heilige Sexualität’ und Tanz unterrichten wird. Die Pandemie veränderte unser aller Leben, doch bei Dana Frígoli löste sie einen regelrechten Tsunami aus. „Im Lockdown kam ich dazu, über vieles nachzudenken und wesentliche Dinge in einem neuen Licht zu sehen”, erzählt die Tänzerin. Noch ist sie in ihrem großen alten Haus in Buenos Aires, ein paar Tage vor ihrer kopernikanischen Wende: Mit 43 Jahren stellt sie sich auf ein neues Leben ein, zehntausend Kilometer entfernt in der idyllischen Landschaft Nordamerikas. „Ich war schon immer sehr neugierig. Jetzt reisen wir, um unseren Traum zu verwirklichen. Die Energie treibt uns an”, erklärt Dana fest entschlossen, während ihre siebenjährige Tochter Lumia vergnügt in ihrer Nähe spielt. „Als erstes werden wir eine Schule für sie suchen.” ...

 
Danza
Raquel & Ricardo
– „Die Schönheit kommt, wenn du entspannt bist“
von Christa Martin

Der direkte Kontakt fehlt, aber Ricardo ist froh, auch per Distanz unterrichten zu können. „Am Sonntag bin ich mit einem Paar aus Israel verabredet. Sie haben nach einem unserer Videos geübt, ich schaue mir das Ergebnis an und korrigiere sie.” Bei unserem Gespräch in ihrer Wohnung wirken Raquel und Ricardo entschlossen, die pandemiebedingte Krise zu meistern. Schon 2015 stellten sie die ersten kurzen Lehrvideos auf YouTube ein, um für sich zu werben. Dass durch ihr Gratisangebot die Präsenzkurse zu kurz kommen könnten, befürchteten sie nicht: „Nur nach einem Video so zu tanzen, das geht nicht, dafür muss man lange üben.” Tatsächlich trat das Gegenteil ein: Sie zogen immer mehr Schüler an, die an ihren individuellen Problemen arbeiten wollten. Und die regten an, an ihren Online-Lektio­nen könnten die beiden doch auch etwas verdienen. So entstanden längere Unter­richtseinheiten mit vertiefenden Übungen auf Vimeo. ...

 
Galeria
Fotografie mit Fortsetzung
– Thomas Wisnewskis Tanzfotos
von Ulrike Dömkes

Das Licht fällt von rechts auf die Rückenpartie der Tänzerin. Sie steht nur da, entspannt, aber mit Spannung, aufmerksam, jederzeit bereit, aktiv zu werden. Die definierte Muskulatur, das akzentuierte Profil, die scharfen Schatten, der Blick mit leichter Arroganz in die Ferne gerichtet – sie weiß, was sie will.
Gleich wird die Musik beginnen. Der Betrachter hört sie nicht – aber er sieht. Er sieht das, was folgt. Das macht Thomas Wisnewskis Tanzfotos so spannend, die Fortsetzung der Aufnahme im Kopf des Betrachters. Der Moment ist statisch und wird doch nicht zum Stillleben. Das Leben geht weiter, tanzt weiter. Schwarz, weiß, Licht und Schatten. Wisnewskis Fotografie ist eindeutig, keine Farben, kein überflüssiger Schnickschnack lenkt ab. Seine Bilder sind einfach im besten Sinne des Wortes. ...

 
Historia
Ángel D’Agostino
– Der elegante Minimalismus zweier Engel
von Olli Eyding

Ángel D’Agostino zählt zwar nicht zur allerersten Reihe der Orchester, seine Aufnahmen sind aber durchgehend von herausragender Qualität. Es wundert nicht, dass er 1943 im Wettbewerb Ronda del Ases den Titel ‚Bester Orchesterleiter des Jahres’ erhielt.
Und natürlich lieben wir diese reduzierte, zurückgeschraubte Musik wegen Ángel Vargas, dem zweiten Engel, dessen Stimme sicher zu den schönsten der Jahre um 1940 zählt.
Während fast ganz Buenos Aires immer noch mit schnellen Aufnahmen dem D’Arienzo-Stakkato hinterherhechelte, etablierte D’Agostino mit seinem neuen Or- chester gleich mit der ersten Aufnahme No aflojes am 13.11.1940 seinen Stil, nämlich eine von kaum einem anderen Orchester jemals erreichte Entspanntheit. Diese maximale Lässigkeit beruht einerseits auf dem weichen, eleganten Gesang von Ángel Vargas, zum anderen auf den feingestrickten, minimalistischen Arrangements, interpretiert von herausragenden Musikern. Eine schicke Bar tut sich da vor uns auf, wuchtige Ledersessel in elegantem, gedämpftem Licht, bernsteinfarbener Whisky, ein Ort ohne Hektik, voller Eleganz. D’Agostinos Musik lebt von der Zurückhaltung, der Reduktion. ...

 
Kommentar
COVID 19 – Ein Virus als Brandbeschleuniger!
– Der Strohhalm, der dem Kamel den Rücken brach
von Hans Euler

Die Einblicke, welcher dieser kurze Artikel zur aktuellen Lage eines Tangomu­sikers gibt, sind durchaus dazu geeignet, einem Teil der ansonsten geschätzten Leserschaft und Tangogemeinde unbequem nachzuhallen. Vielleicht nicht zu Unrecht.
Niemandem muss erklärt werden, warum ein professioneller Musiker im Frühjahr 2021 ältere Instrumente zum Schleuder­preis verkauft hat, sich die Lebensversiche­rung ausbezahlen ließ und die Kinder von der Waldorfschule genommen hat.
Wir sind pleite. Wir, meine Frau und ich sind beide Musiker, zwar zu jeweils 50% festangestellt in Musikschulen, aber ansons­ten selbstständig. Das heißt im Detail: Seit über 20 Jahren leben wir von Konzerten, Milongas und CD-Verkäufen. Aber natürlich auch von sogenannten ‚MuGGen’ (Begriff des Finanzamtes = musikalisches Gelegen­heitsgeschäft), Hochzeiten, Stadtfesten, usw. Das war bisher ein Auskommen, mit Familie kein mondänes, aber ein soweit zufrieden­stellendes. Die Liste der aufgezählten frei-beruflichen Einkünfte hat sich seit gut einem Jahr reduziert auf: CD-Verkäufe. Oder nennen wir es besser: Musikverkäufe. Und nun kommen eventuell Sie, liebe Leserin oder Leser ins Spiel. ...

 
Música
Carlos Moscardini
– Der Mann mit der Gitarre
von Eduardo Minutella

Es sind nur 20 Kilometer von Buenos Aires nach Temperley, einer dörflichen Siedlung, die ein britischer Kaufmann dieses Namens Mitte des 19. Jahrhunderts gründete. Seit 1965 ist Temperley eine Stadt, doch in den Straßen mit den niedrigen Häusern hat sich das Gesicht der Vorstadt mit ihren Pas­tellfarben und ihrem beredten Schweigen erhalten. Durch diese Straßen geht täglich ein Mann, bescheiden und sehr herzlich im Umgang, der fast unbekannt, aber hoch- talentiert ist: einer der letzten großen Re­präsentanten argentinischer Musik der Pampa, auch wenn er selbst mit dieser Bezeichnung kaum einverstanden wäre. Er heißt Carlos Moscardini und ist ‚Der Mann mit der Gitarre’. In seinen Saiten, die schon auf Bühnen in Amerika und Eu­ropa erklangen, pulsieren die Kadenzen der Milonga, der Huella, des Malambo, der Cifra, des Estilo, des Gato von Buenos Aires – und natürlich auch des Tango, einer Musik, die er schon als Kind kennen lernte und der er immer treu geblieben ist. ...

 
Tango & Film
‚Frank 1‘ bis ‚Frank 27‘
– Sven Elze und seine Tango-Arbeit für den ARD-Film ‚Tanze Tango mit mir‘
von Thomas Wanner

„Alles, was in diesem Film mit Tango zu tun hat, läuft über mich“ – unter dieser Bedingung stieg Sven in das anspruchsvolle Projekt ein. Tangogrundkenntnisse der Hauptdarsteller mussten in kürzester Zeit auf glaubwürdig hohes Tanzniveau gebracht werden, Offenheit und Hingabe waren gefragt im gemeinsamen Schaffensprozess.
„Tango kann jeder ...”, so empfängt Maresa (Kara Wenham, Tangolehrerin) ihren neuen Schüler Frank (Michael A. Grimm), „es sind nur vier Schritte”. Da ahnen weder Frank als Filmfigur, noch Michael als Schauspieler, welch harter Weg vor ihnen liegen sollte und dass nach nur ein paar Wochen Drehzeit in der Schlussszene das ‚große Paket’ zur Aufführung kommen wurde: Mann/Frau/Führung Struktur, Improvisation, Zuschauer, vor–rück–seit, Synkopen, Sacadas, Ganchos, Barridas, Boleos, Blicke, Nähe, Distanz ... Schlusspose. Tango eben. Für den Weg aus der Midlife-Crisis mag wohl das Leben zuständig sein – dafür, dass „der Film tanzt”, trug Sven die Verantwortung. ...

 
CD-Recensión
El Cachivache Orkesta
– Anti Cuerpos
von Arndt Büssing

Und dann waren es nur noch vier. Das ehemalige Quintett ist ge­schrumpft – übrig geblieben sind Achi Deuz (Piano und Programming), Adriano DeVita (Bandoneon), Pacha Mendes (Bass) und Vito Venturino (Gi­tarren). Sie sagen selber, dass die Pandemie-Restriktionen ihnen nicht nur finanziell, son­dern auch emotional zugesetzt haben. Aber wenn man schon zuhause herumhockt, kann man ja auch kreativ sein. Also haben die trüben Gedanken Flügel bekommen und sich in zehn Lieder verwandelt (‚Anti­körper’ in dunklen Zeiten), die deutliche Electronica-Anklänge haben – ‚Otros Aires’ hätten bei dem Album Pate stehen kön­nen. Verantwortlich für den neuen Schwung ist Achi Deuz, der als Produzent viele neue Einflüsse mitgebracht hat, die dem Ensemble gut tun. …

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