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Leseprobe der Tangodanza Ausgabe Nr. 53 (1/2013)
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Danza –– Bruno Tombari & Mariangeles Caamaño - „Tango ist eine Sprache”
Bruno und Mariangeles sind seit einigen Jahren Gäste bei internationalen
Tangofestivals in ganz Europa. Wer ihren Werdegang etwas verfolgt, stellt fest,
dass sie immer wieder an die gleichen Orte zurückkehren. In der Begegnung mit
ihnen wird schnell klar, warum das so ist. Sie sind herzlich, offen,
sympathisch. Ihr Verständnis von Tango ist profund und ernsthaft, aber auch
geprägt von viel Spaß. Zu Hause in Buenos Aires unterrichten sie regelmäßig in
der Milonga La Misteriosa, wo auch das 'Orquesta Típica Misteriosa Buenos Aires'
als Hausorchester auftritt.
Bei einem Aufenthalt in Buenos Aires haben sich Joachim Tschütscher, der
Organisator des Tangofestivals Innsbruck, und Mario Soto mit dem Tanzpaar
getroffen, um die Beiträge der beiden beim seinerzeit noch bevorstehenden
Tangofestival zu besprechen. Dabei äußerten Bruno und Mariangeles den Wunsch,
einmal bei einem Festival über die Arbeit in den Workshops hinaus mit dem
Publikum in Kontakt zu treten. Daraus entwickelte sich die Idee des
Künstlergesprächs, das beim dritten Tangofestival Innsbruck im vergangenen
Oktober stattgefunden hat und von Mario Soto moderiert wurde. ...
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Milonga –– DJs in Buenos Aires oder Die hohe Kunst der Musikauswahl
von Gustavo Benzecry Sabá, Buenos Aires
Mit den Anfängen des Tango-Booms in den 90er-Jahren vervielfachte sich nicht nur
die Zahl der Tänzer und Lehrer, sondern auch die der Organisatoren von Milongas.
So hat sich in den vergangenen 20 Jahren das Angebot von drei bis vier Milongas
pro Tag auf derzeit 25 bis 30 erhöht; etliche wurden allerdings eröffnet und
auch relativ schnell wieder eingestellt.
... Die Musiklandschaft auf den Milongas in Buenos Aires hat sich sehr
verändert. In letzter Zeit wird die Musik der traditionellen Orchester mit neuen
Versionen aktueller Orchester vermischt, die eine ähnliche musikalische
Qualität, aber technisch bessere Aufnahmen bieten. Unbekannte Tangos, Milongas
und Valses traditioneller und nicht-traditioneller Orchester werden neben
verschiedenen Orchestern alternativer lokaler und ausländischer Stile gespielt.
Häufig stammt die traditionelle Musik von Orchestern aus den 30er- bis
60er-Jahren, mit dem Schwerpunkt auf den 40er- und 50er-Jahren. Dazu gehören
D’Arienzo, Troilo, Pugliese, Canaro, Fresedo, Di Sarli, Caló und Tanturi, um nur
einige zu nennen. Auf fast allen Milongas werden immer dieselben traditionellen
Kompositionen in der immergleichen Reihenfolge präsentiert. Für die fehlende
Varianz gibt es verschiedene Gründe: Routine, Desinteresse an einer neuen
Stückfolge, Unkenntnis, fehlendes Musikmaterial, Unterschätzung des Publikums,
Erwartungen der Tänzer oder des Milongabetreibers. ...
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Szene –– "Jeder raunzt für sich alleine" -Eine Tango-Gebrauchsanweisung für Wien
von Verena Lammer
Neulich erzählte eine Stadtführerin, dass Besuchergruppen aus Argentinien in
Wien keinesfalls gleich den Stephansdom oder ähnliche Sehenswürdigkeiten zu
besichtigen wünschten, sondern ihre erste Frage fast immer dem Sigmund Freud
Museum in der Berggasse 19 gelte. Nicht ganz erstaunlich, da es in keiner Stadt
eine so hohe Dichte an Psychologen und Therapeuten gibt wie in Buenos Aires.
„Vom Parkett auf die Couch“ las ich einmal in einer Reportage über Buenos Aires.
Von der berühmten Couch von Sigmund Freud ist es aber auch in Wien nicht weit
aufs Parkett. Angehörige medizinischer und (psycho-) therapeutischer
Berufsgruppen sind hier in der Tangoszene, die heute aus etwa 400 aktiven
Tänzerinnen und Tänzern besteht, besonders häufig anzutreffen. Davon tanzen 50
bis 70 'Freaks' beinahe täglich Tango, der Rest aber zumindest einmal pro Woche
in Kursen, Workshops, Prácticas und auf Milongas von einigen größeren und vielen
kleinen Veranstaltern, insgesamt mittlerweile fast 40.
Es wird wohl ein Zufall sein, dass die Tangobar nur wenige Gehminuten von der
Berg-gasse entfernt am Sigmund Freud Park liegt. Seit mehreren Jahren
veranstalten Herta und Marius Spannbauer hier jeden Donnerstag die größte
Milonga von Wien mit bis zu 200 Besuchern pro Abend im Albert Schweitzer Haus in
der Schwarzspanierstraße. ...
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Focus –– Tango & Coaching - „Führungsprobleme sind Beziehungsthemen“
von Marie-Chantal Tajdel
Lässt sich der Tango auf die Führung in der Unternehmenskultur übertragen?
Tangolehrerin und Coach Gertrud Arlinghaus aus Lohne (südlich von Oldenburg)
bietet genau zu diesem Thema Workshops an und ist überzeugt, dass Tango Firmen
sogar vor der Insolvenz retten kann. Unsere Autorin hat sich eines ihrer
Seminare angeschaut.
Schon das Gehen ist gar nicht so einfach, wenn man sich auf jeden Schritt
konzentrieren muss. Ein Schritt vor, stehen bleiben, den anderen Fuß nachziehen.
Ein Wackler zwingt zum stehenbleiben. Also wieder zentrieren, die Schultern
gerade rücken, vielleicht die Augen schließen. Dann geht es weiter im Fluss der
anderen Teilnehmer. Es ist eine Übung in getanzten Bildern, die Gertrud
Arlinghaus, Pädagogin, Coach und Tangolehrerin, mit dem Tango-Führungsseminar
anbietet. Theorie und Praxis stehen in lebhaftem Wechsel, und die Teilnehmer
werden beständig mit einbezogen und gefordert. Im Seminar geht es um Fragen zum
Thema 'Wie füllen Mitarbeiter und führende Kräfte eines Unternehmens ihre
Positionen aus?'. Und wie können herausfordernde Situationen bewältigt werden?
Die Teilnehmer trainieren anhand von praktischen Übungen, die den Prinzipien des
Tango entlehnt sind. ...
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Ambiente – Cochabamba 444 - Milonga mit Herz und Gewissen
von Ute Neumaier, Buenos Aires
Kopfsteinpflaster, eine einsam und verlassen wirkende Straße mitten in San
Telmo. Ein Vereinshaus im alten Stil, der Club Manuel Belgrano. Vor der Tür
junge Leute, rauchend, lachend, weitab von jeglichem Modediktat oder
Milonga-Dresscode. Auf der Tanzfläche dreht die Jungschar fröhlich und eng
umarmt ihre Runden. Ein strahlendes „Feliz Jueves“ – und schon gehört man zum
'Jueves de Cochabamba', der durch den plötzlichen Tod der Organisatorin zum
'Jueves de Ana Postigo' wurde.
Die 'Cocha' hat Tradition, war schon früh Zufluchtsstätte des Tango und Zeugin
seines Wandels. Mehr oder weniger kunstvolle Porträts, Gemälde und Pokale sowie
stark verblichene Ablichtungen der Tangogrößen der vergangenen 30 Jahre erzählen
davon. Hier unterrichtete in den Achtzigern der mythische 'Pepito' Avellaneda
und in den Neunzigern Mingo Pugliese mit seiner Frau Esther. Hier probte und
lehrte Gustavo Naveira mit Olga Besio und später mit Giselle-Anne. Hier ging
Omar Vega ein und aus, und für Eduardo Capussi wird auch heute noch bis 23 Uhr
'sein' Tisch freigehalten. Hier entstanden vor 17 Jahren die ersten Prácticas,
die unter der Leitung von Ana Postigo (†2011) vor neun Jahren zu einer Milonga
wurden. ...
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Galería –– Frank Naumanns Tangobilder - Aphorismen des Tanzes
von Sabine Zubarik
Wie der Erfurter Maler Frank Naumann als Nichttänzer und „musikalischer
Maulwurf“ (so bezeichnet er sich selbst) ausgerechnet auf den Tango kam, das
gibt er freimütig preis: Die persönliche Freundschaft mit einer passionierten
Tangotänzerin und inzwischen –lehrerin aus Greifswald sei es gewesen, die in ihm
den Wunsch weckte, sich mit dieser Bewegungsform kreativ auseinander zu setzen.
Zwar ist der tanzende Mensch generell in Naumanns Arbeiten sehr präsent (z.B. in
der Serie Tanz in den Mai), doch der Argentinische Tango sei ihm, das gesteht
er, schon der vertrauteste Tanz; öfters habe er zugesehen auf Milongas.
Auch das Anhören der Musik hat ihn bei der Bearbeitung des Themas inspiriert,
und das eine oder andere Tanzvideo. Eher durch Empfindung und Beobachtung als
durch den Intellekt versucht er nachzuvollziehen, was da genau passiert, wenn
sich ein Paar gemeinsam bewegt. Wie die Tänzer miteinander umgehen steht dabei
im Vordergrund, denn schließlich geht es ihm nicht um die Gesamtatmosphäre bei
der Milonga, sondern um interessante Posen und die Körpersprache in der
Paarkonstellation. ...
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CD-Recensión –– Tango Crash - Accidente De Tango
von Stefan Franzen
Je modischer ein Genre, desto schneller wirkt es anachronistisch. Gerade beim
mittlerweile schon in die Jahre gekommenen Tango Electronico lässt sich das zur
Zeit beobachten. Wer hier noch spannend bleibt, oder gar Neuland abstecken kann,
gehört zu den Könnern. Und nichts anderes ließe sich von den
Electronico-Pionieren um Daniel Almada und Martin Iannaccone aus Basel und
Berlin sagen, die mittlerweile ihr viertes Opus vorlegen. Der 'Tangounfall', wie
der Titel es verheißt, beginnt zunächst ganz außerhalb der Electronico- und fast
auch außerhalb der Tango-Sphäre überhaupt. Denn im Titelstück weht zwar auch ein
Bandoneon durch, im Kern handelt es sich hierbei jedoch um ein jazzig
einherschreitendes Artefakt mit Sax und Trompete in den Hauptrollen. Das wilde
Gebaren aus den Anfangsjahren ist auch im weiteren Ablauf des Albums einem
subtileren Reflektieren gewichen. ...
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